Die Basics zum Streuplot

Der Streuplot liefert als zusätzliche Informationsquelle wertvolle Informationen über die Messungen. Der Streuplot ist dabei die zweidimensionale Darstellung zweier aufeinaderfolgender Zeitabstände der R-Zacken (Herzschläge). Die Zeitabstände (gemessen in Millisekunden) werden dabei allerdings in Pulswerte umgerechnet, um die Grafik verständlicher zu machen.

So funktioniert der Streuplot

Die Vorgehensweise ist dabei folgendermaßen:

 

Es wird eine Reihe der Zeitabstände der Herzschläge erzeugt, diese wird dupliziert und um einen Wert nach unten verschoben. So entstehen für eine Messung „Wertepaare“ (gebildet durch einen Abstand zweier Herzschläge und dem jeweils nächsten Abstand), die dann als x- und y-Wert in der Grafik einen Punkt ergeben.

Die Punktwolke wird dabei nur aus dem ersten Messanteil erzeugt (also mit spontaner Atmung). Aus diesem Anteil wird auch der Wert der HRV berechnet. Die durch die Atmung bei der Atemvorgabe erzeugten rhythmischen Schwankungen des Pulses (Herz-Atem-Kopplung) erzeugen meist eine elliptische Form der Punktwolke, die wir jedoch im Portal nicht darstellen.

Stabile Messungen (also qualitativ saubere Messungen) zeichnen dann einen homogenen Plot (oberes Bild). Pulsschwankungen ziehen den Plot im Gegensatz dazu deutlich in die Länge und liefern eine etwas höhere HRV durch die Unterschiede der Herzfrequenz.

Eine weitere Fehlerquelle stellen unsaubere Messungen dar. Ausreißer, Ungereimtheiten oder Extrasystolen können die Messungen dann verfälschen, wenn sie in einer Messung zu häufig vorkommen. Diese sind sowohl im Verlauf, als auch im Streuplot eindeutig erkennbar. Sind bis zu einem Prozentsatz von ca. 15% der RR-Abstände betroffen, dann können wir sie automatisiert bereinigen. Darüber hinausgehende Verfälschungen einer Messung können wir nicht bereinigen und müssen gelöscht werden. Als erstes Indiz gilt dabei eine für einen Organismus ungewöhnlich hohe HRV (Werte über 100msec sollten generell überprüft werden -> Verlauf, Plot, EKG …).

Extrasystolen, also Herzschläge, die in ihrer Abfolge völlig aus einer individuellen Norm fallen, weil sie zu früh ausgelöst werden, können wir ebenso bis zu ca. 15% bereinigen. Sollten diese extrem häufig auftreten, muss die Messung verworfen werden. Im Beispiel oben finden wir 1 Extrasystole, das untere Beispiel jedoch weist permanente Extrasystolen auf!! Hier kann eine Berechnung der HRV nicht sinnvoll erfolgen!

Informationen aus dem Streuplot

Aus einer sauberen Messung können wir an Hand der individuellen Größe des Plots eine Interpretation ableiten. Individuell hohe Streuung liefert dabei andere Informationen, als ein – individuell gesehen – kleiner Plot:

Wenn der HRV-Plot (individuell gesehen) sehr invariabel ist, dann können folgenden Faktoren zutreffen:

  • Erschöpfung von Arbeit oder Training
  • Overreaching / Übertraining / Burn out
  • Krankheit (Immunsystem reagiert) oder akuten Schmerzen
  • extreme Temperaturen, Höhenbedingungen oder Jet-Lag
  • Stress, Depressionen, psychische Erkrankungen, etc.
  • Fehl- oder Mangelernährung, Unverträglichkeiten
  • Alkoholkonsum
  • unzureichender Schlaf (abweichend von der individuellen „Norm“)

Wenn der HRV-Plot (individuell gesehen) groß ist, dann sind dafür meist folgende Faktoren entscheidend:

  • guter Erholungszustand
  • ausreichende Regeneration durch den Schlaf
  • kurzzeitig durch Euphorie oder Kopplung des Herzschlages an die Atmung durch aerobes Ausdauertraining in der Nachbelastung
  • optimale Ernährung
  • Gesundheit
  • keine Anspannung

Wenn dein Plot nicht die Größe des oben dargestellten Plots erreich – keine Sorge, jener hat 220msec und das erreichen nur ganz wenige Personen!!

Ruhepuls als Informationsquelle

Warum verwenden wir nicht – wie früher – den Ruhepuls als Informationsquelle für die Trainingssteuerung. Die höhe des Pulses ist eine Durchschnittsinformation, die nur sehr ungenau die Belastbarkeit widerspiegelt! Das Beispiel unten zeigt die Unterschiede der Belastbarkeit ein und der selben Person bei gleichem Durchschnittspuls. Die Quintessenz der beiden Messungen: Messung links => Intervalltraining / Messung rechts => Trainingspause!

Der Puls alleine ist leider heutzutage nicht mehr brauchbar!

Mag. Bernhard Schimpl

Mag. Bernhard Schimpl ist wissenschaftlicher Leiter beim Vitalmonitor

3 replies on “Der Streuplot

  • Thomas Halbertschlager

    Der Vitalmonitor hat im Leistungssportbereich sicherlich seine Berechtigung. Essentiell sollte das Teil aber für den OttoNormalverbraucher und Hobbyportler sein. Hier haben viele falschen Ehrgeiz, können nicht in Ihren Körper horchen und sehen sich im Alter durchaus Langzeitschäden ausgesetzt.
    Gerade das Prinzip der Regeneration wird von vielen, wie auch von mir in der Euphorie missachtet.

    Der Vitalmonitor kann hier wirklich wichtige Hilfe leisten und trägt vor allem zur Selbstdiziplin bei. So Dinge wie Stress, wenig Schlaf, Rauchen und Alkohol teilen einem ordentliche Denkzettel aus und man überlegt sich dreimal, ob nach einer Radtour das zweite Bier konsumiert werden soll.

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  • Wolfgang Hoffmann

    Anzahl zulässiger Extrasystolen in Abhängigkeit vom durchschnittlichen Puls

    Wenn ca. 15 % der Extrasystolen automatisch gelöscht werden, könnte man seine eigene Messung auf Brauchbarkeit prüfen, indem man im Verlauf oder dem HRV-Plot die Extrasystolen zählt. Diese dürfen 15 % aller Systolen nicht überschreiten. Das ergibt eine Anzahl von Extrasystolen bei einem durchschnittlichen
    Puls von 55 bis ca. 13 zulässige Extrasystolen,
    Puls 65 bis 16 Extrasystolen und
    Puls 75 bis 18 Extrasystolen.

    Wie angegeben, sind Messungen, die mehr Extrasystolen enthalten wertlos und sollten gelöscht werden. Dazu kommen weitere Fehlerquellen, wie im Beitrag aufgeführt, beispielsweise ein schwankender Puls.

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    • viktoria

      Es sind ca. 15%, also lässt sich aus der individuellen Plausibilität der HRV erkennen, ob die Bereinigung gefruchtet hat, oder nicht!

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