Das Grundprinzip der HRV

Die Basics der HRV

Der Parameter Herzratenvariabilität stellt eine statistische Zahl jeder einzelnen Messungen mit dem Vitalmonitor dar. Es handelt sich dabei um den Faktor SDNN (=Standardabweichung) der Messreihe der einzelnen Herzschlagabstände. Diese bedeutet grundsätzlich die durchschnittliche Schwankungsbreite der Zeitabstände. Je höher dieser Wert ausfällt, umso stärker schwanken die Schlagabstände und dies bedeutet, dass die Regulationsprozesse des vegetativen Nervensystems am Herzen sehr stark zum Tragen kommen. Bei standardisierten Kurzzeitmessungen bedeutet das eine hohe Aktivität des Parasympathikus.

Die HRV und der Alltag

Das grundsätzliche Niveau der Herzratenvariabilität einer Person ist sehr stark abhängig von ererbten und erworbenen Faktoren. Zusätzlich unterliegt sie, wie beim Bio-Age bereits erwähnt, einem langfristigen Alterungsprozess. Die langfristige Betrachtung der Herzratenvariabilität gibt Aufschluss über die Entwicklung der Steuerungsprozesse im Organismus. Eine sinkende HRV liefert die Information eines „schleichenden Funktionsverlustes“ der Steuerprozesse, ausgelöst durch eine Verschiebung der Balance zwischen Sympathikus (Antrieb) und Parasympathikus (Erholung). Die beginnende Dominanz der Belastungen bei nicht adäquater Entlastung führt zu einem systematischen Absinken der HRV (im Längsschnitt der Morgenmessungen). Das Forcieren von Entlastung kann diese Verschlechterung der Balance auch wieder umkehren!

Der Steigerung der HRV sind natürlich individuelle Grenzen gesetzt. Die Reaktion der HRV und des Bio-Age im obigen Beispiel zeigen aber eine sehr deutliche Entlastungsreaktion, die im Normalfall auch eine Leistungssteigerung beinhaltet.

Für Personen zwischen 30 und 40 Jahren gilt ungefähr:

<20msec = schlecht     20-40msec = ausreichend    40-60msec = gut    >60msec = sehr gut

Je jünger Personen sind, umso deutlich höher müssen die Werte liegen, sind Personen älter dürfen sie etwas niedriger sein.

Natürlich gibt es auch Personen, die deutlich höhere Werte aufweisen. Ungefähr 10% der Personen erreichen stabile Werte über 100msec – ca. 3% sogar über 200msec. Messungen, die über 100msec hinaus gehen, sollten – insbesondere, wenn sie für eine Person untypisch sind – im Hinblock auf die Messqualität überprüft werden. Es könnte sich um unsaubere Messungen handeln bzw. es könnten zu viele Extrasystolen enthalten sein, wodurch die Berechnung trotz automatisierter Fehlerkorrektur nicht mehr korrekt möglich ist. Am Verlauf, EKG und Plot im Portal kann diese Qualitätskontrolle vorgenommen werden.

Das heißt also, dass der Verlauf der Herzratenvariabilität – neben dem Bio-Age – sehr gut geeignet ist eine Trendanzeige der Entwicklung zu liefern und damit das systematische Verändern des Organismus im Focus zu behalten.

Mag. Bernhard Schimpl

Mag. Bernhard Schimpl ist wissenschaftlicher Leiter beim Vitalmonitor

2 replies on “Das Grundprinzip der HRV

  • Harald Krause

    Habe bisher HRV Elite App mit Polar H10 verwendet. Dabei wird für die HRV aus ca. 3 min. Messung mit kontrollierter Atmung verwendet. Bei euch läuft es ja anders. Mir ist nicht klar, wofür die Minute am Schluss mit kontrollierter Atmung verwendet wird.

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    • Berny Schimpl

      Berny Schimpl

      Hallo Harald! Aus der Messung mit Spontanatmung unter standarisierten Bedingungen leiten wir den Status des Organismus ab. Zusätzlich ist es interessant die Adaptationsfähigkeit (die unter Stress stark blockiert ist / Prasympathikusblockade) als Differentialdiagnostik zu hinterfragen. Das machen wir mit der Atemübung um die Herz-Atem-Kopplung (Stärke der Auslenkung und Geschwindigkeit der Anpassung) auszulösen und im individuellen Längsschnitt zu bewerten! Ich hoffe das beantwortet deine Frage! Lg berny

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