Die Basics zum Bio-Age

Das biologische Alter stellt im Vitalmonitor eine Vergleichsbestimmung der Steuerung des Organismus einer Person mit durchschnittlichen Werten eins bestimmten Alters dar. Konkret heißt das, dass der menschliche Alterungsprozess auch mit einem „Funktionsverlust“ der Steuerung der lebenswichtigen Organe einhergeht.

Die Dan Belsky-Studie

Dan Belsky von der Duke University in Amerika untersuchte an über 1000 Neuseeländern, die alle kalendarisch 38 Jahre alt waren, verschiedenste organische Parameter. Dies waren unter anderem Knochendichte, Herzfunktion, Nierenfunktion, neurovegetative Steuerung, Hormonstatus verschiedenster Hormone, usw. Aus all diesen Daten errechnete er für jede Person ein „biologisches Alter“. Dieses lag, bemerkenswerterweise, zum Teil deutlich unter 30 Jahren, reichte aber auch deutlich über 60 Jahre. Konkret heißt das, dass die Organismen der Studienteilnehmer teilweise deutlich besser, aber auch schon erheblich schlechter als der Altersdurchschnitt „funktionierten“. Ein frühzeitiges Erkennen, so Belsky, ermöglicht eine raschere und leichtere Korrektur durch bewusste Änderungen von Verhaltensweisen.

Das Bio-Age beim Vitalmonitor

Im Vitalmonitor wird das Bio-Age von der „neurovegetativen Steuerung“ des Organismus – abgebildet an der Steuerung des Herzschlages – abgeleitet. Die Qualität dieser Steuerungsprozesse unterliegt einem natürlichen Alterungsprozess. Am Beginn haben wir uns an Daten wissenschaftlicher Untersuchungen orientiert und diese bis zum heutigen Tag mit ca. 3 Millionen Einzelmessungen zusätzlich geschärft. Daraus ergibt sich ein altersspezifischer Zusammenhang, bei dem die HRV in jungen Jahren im Durchschnitt höher liegt und mit zunehmendem Alter ein „Funktionsverlust“ eintritt.

Diese Reduktion der Herzratenvariabilität mit zunehmendem Alter liegt an einer Verringerung der Funktion des Parasympathikus, der für die Schwankungsbreite der HRV hauptverantwortlich ist. Der Parasympathikus ist ein Nerv, der – ähnlich einem Stromkabel – einen Impuls am jeweiligen Zielorgan hervorruft, um für Entlastung zu sorgen. Er verfügt über eine Eiweißschicht, die ihn umhüllt und somit nach aussen hin „abschirmt“. Diese Isolation altert jedoch und dadurch leidet die Abschirmung, wodurch „Leitungsverluste“ auftreten, die zu einem geringeren Regenerationseinfluss führen. Dadurch verringert sich die Schwankungsbreite der Herzschläge systematisch – die HRV sinkt im Alterungsverlauf.

Das Bio-Age im Alltag

Durch unsere Lebensweise können wir die neurovegetative Steuerung aber ebenso – positiv, wie negativ – beeinflussen. Dauerstress, zu intensives sportliches Training, Schlafmangel, massive Ernährungsfehler, akute bzw. chronische Erkrankungen und vieles mehr können systematisch zu einer Funktionsverringerung des Parasympathikus (also der Entlastungs- und Erholungsfunktion) führen, wodurch ein neurovegetatives Abbild einer viel älteren Person entsteht. Bei einem hohen biologischen Alter dominiert also der Antrieb (Sympathikus) und die Entlastung (Parasympathikus) schafft keinen adäquaten Ausgleich (mehr).

Kurzfristige Phänomene, die die HRV senken, sollten in dieser Betrachtung nicht wirklich eine Rolle spielen (die finden sich in den Veränderungen der HRV von Messwert zu Messwert). Das Bio-Age sollte aber eine stabile Grundaussage darstellen, die nur auf systematische Veränderungen reagiert. Das haben wir in unserer Berechnung umgesetzt, um erst eine systematische Veränderung anzuzeigen (positiv oder negativ), jedoch nicht einen momentanen Einzelwert (durchzechte Nacht).

Wir leiten das Bio-Age nur von den Morgenmessungen ab, weil wir da den am stabilsten vergleichbaren Zustand im Längsschnitt nach dem Reset durch den Schlaf erwarten. Wenn also das Bio-Age ansteigt können wir annehmen, dass mittelfristig die Belastungen dominieren und die Entlastung keinen adäquaten Ausgleich erzielen kann. Bei Veränderung der Lebensbedingungen kann hier eine Aufarbeitung des entstandenen Belastungsüberhanges erfolgen, wodurch das Bio-Age auch wieder sinken kann.

Fazit

Das Bio-Age kann insgesamt deutlich über bzw. unter dem kalendarischen Alter liegen. Liegt es darüber, gilt es sich Gedanken zu machen, welche Gründe das haben könnte und welche Massnahmen man ergreifen kann um zu einer Verbesserung der Situation zu kommen. Faktoren, die eine unnatürlich hohe HRV erzeugen (z.B.: massive Extrasystolen, unsaubere Messungen, …), haben natürlich im Bio-Age auch potenziell eine verfälschende Wirkung. Als Trendanzeige lässt sich das biologische Alter aber perfekt für die Trainingssteuerung (Sport) und Belastungssteuerung (Alltag, Beruf) nutzen.

Mag. Bernhard Schimpl

Mag. Bernhard Schimpl ist wissenschaftlicher Leiter beim Vitalmonitor

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